Kunst

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Kunst [kʊnst], die; -, Künste ['kʏnstə]:
1.
a) schöpferisches Gestalten aus den verschiedenen Materialien oder mit den Mitteln der Sprache, der Töne in Auseinandersetzung mit Natur und Welt:
die bildende Kunst; abstrakte Kunst; Natur und Kunst; sich der Kunst widmen; ein Förderer der Künste; sie ist in allen Künsten bewandert, beschäftigt sich viel mit Kunst.
Zus.: Baukunst, Dichtkunst, Erzählkunst, Filmkunst, Goldschmiedekunst, Handwerkskunst, Schauspielkunst, Schmiedekunst, Tanzkunst, Zeichenkunst.
b) <ohne Plural> einzelnes Werk, die Werke eines Künstlers, einer Künstlerin, einer Epoche o. Ä.; künstlerisches Schaffen:
die antike, moderne Kunst; die Kunst der Ägypter, der Romantik; die Kunst Rembrandts; dieses Bild ist keine Kunst, sondern Kitsch; Kunst sammeln.
2. besonderes Geschick, erworbene Fertigkeit auf einem bestimmten Gebiet:
die ärztliche Kunst; die Kunst des Lesens und des Schreibens; die Kunst des Reitens, Fechtens; er will seine Kunst an dieser Aufgabe erproben; hier kannst du deine Künste zeigen, beweisen.
Syn.: Fähigkeit, Können.
Zus.: Fahrkunst, Heilkunst, Kochkunst, Rechenkunst, Redekunst, Reitkunst, Überredungskunst, Verführungskunst, Zauberkunst.

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Kụnst 〈f. 7u
1. schöpfer. gestaltende Tätigkeit des Menschen (Bau\Kunst, Dicht\Kunst, Volks\Kunst, Indianer\Kunst)
2. Gesamtheit der Erzeugnisse dieser Tätigkeit
3. das künstlich Geschaffene
4. Können, Fertigkeit, Geschicklichkeit (Kletter\Kunst, Taschenspieler\Kunst)
5. 〈i. e. S.〉 bildende Kunst
● die \Kunst der Antike, des Barocks, des alten Orients; nach allen Regeln der \Kunst 〈fig.〉 mit aller Geschicklichkeit; \Kunst Schaffende(r) = Kunstschaffende(r); die \Kunst des Schreibens, Singens ● Gott grüß die \Kunst! (alter Gruß der wandernden Buchdrucker); was macht die \Kunst? 〈umg.〉 wie geht es?; sein: das ist keine \Kunst 〈fig.〉 das ist leicht; er möchte gern seine \Kunst zeigen zeigen, was er kannabstrakte, realistische \Kunst; alte, neuere, neue \Kunst; angewandte \Kunst Gebrauchskunst, Kunstgewerbe; die antike, mittelalterliche, moderne \Kunst; ärztliche \Kunst; bildende \Kunst 〈Sammelbez. für〉 Baukunst, Plastik, Malerei, Grafik, Kunstgewerbe; die freien Künste Bildhauerei, Malerei, Grafik (im Unterschied zur angewandten Kunst); die sieben freien Künste; →a. frei; die schönen Künste alle Kunstformen; die schwarze/Schwarze \Kunst 〈fig.〉 die Buchdruckerei; Zauberei, Hexerei ● jetzt bin ich mit meiner \Kunst am Ende 〈fig.〉 jetzt weiß ich nicht mehr weiter [<ahd. kunst, urspr. „Wissen, Weisheit“; → können]

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Kụnst , die; -, Künste [mhd., ahd. kunst, urspr. = Wissen(schaft), auch: Fertigkeit, zu können]:
1.
a) schöpferisches Gestalten aus den verschiedensten Materialien od. mit den Mitteln der Sprache, der Töne in Auseinandersetzung mit Natur u. Welt:
die bildende K.;
die darstellende K.;
angewandte K.;
abstrakte K.;
sich der K. widmen;
K. und Wissenschaft;
Akademie der [schönen] Künste;
ein Förderer der Künste;
R was macht die K.? (ugs.; wie geht es [dir bei deiner Tätigkeit, Arbeit]?);
die Schwarze/schwarze K. (1. die Zauberkunst, Magie; wohl Verdeutschung des spätlat. necromantia [Nekromantie], das fälschlich mit lat. niger = schwarz in Verbindung gebracht wurde. 2. die Kunst des Buchdrucks; wohl nach der Druckerschwärze);
die sieben freien Künste (Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie, Musik als Grundwissenschaften der Antike u. des Mittelalters; von lat. septem artes liberales, nach einer philos. Allegorie des spätlat. Schriftstellers Martianus Capella [5. Jh. n. Chr.], urspr. die Künste, die von »freien« Bürgern gepflegt wurden);
b) <o. Pl.> einzelnes Werk, Gesamtheit der Werke eines Künstlers, einer Epoche o. Ä.; künstlerisches Schaffen:
die antike, moderne, mittelalterliche, europäische K.;
K. am Bau, im öffentlichen Raum;
die K. der Ägypter, der Romantik;
die K. Rembrandts, Bachs;
K. sammeln;
nichts von K. verstehen.
2. das Können, besonderes Geschick, [erworbene] Fertigkeit auf einem bestimmten Gebiet:
die ärztliche K.;
die K. des Lesens und Schreibens;
hier kann keine K. mehr helfen;
Bachs K. der Fuge (Klavierwerk mit exemplarischen Fugen- u. Kanonkompositionen, die auf dasselbe Thema zurückgehen);
die K. des Schweigens (die Fähigkeit zu schweigen);
er will seine K. an dieser Aufgabe erproben;
R K. kommt von können (meist iron. gesagt, wenn jmds. [künstlerische] Fähigkeiten nicht ausreichen);
eine brotlose K. (eine Ausbildung, Tätigkeit, die nichts einbringt);
keine K. sein (ugs.; leicht, einfach sein, keine besonderen Fähigkeiten erfordern);
alle seine Künste spielen lassen (ugs.; alle möglichen psychologischen Tricks anwenden);
mit seiner K. am Ende sein (nicht mehr weiterwissen, sich od. anderen nicht mehr helfen können).
3.
K. sein (ugs.; künstlich, nicht echt sein: der Wurstdarm ist K.)

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I
Kunst
 
[althochdeutsch kunst, ursprünglich »Wissen«, »Weisheit«, »Kenntnis«, auch »Fertigkeit«, zu können, ursprünglich »geistig vermögen«, »wissen«, »verstehen«], 1) im weitesten Sinn jede auf Wissen und Übung gegründete Tätigkeit (z. B. Reitkunst, Kochkunst); 2) in einem engeren Sinn die Gesamtheit des vom Menschen Hervorgebrachten (Gegensatz: Natur), das nicht durch eine Funktion eindeutig festgelegt oder darin erschöpft ist (Gegensatz: Technik), zu dessen Voraussetzungen die Verbindung von hervorragendem Können und großem geistigem Vermögen gehören, das sich durch hohe gesellschaftliche und individuelle Geltung auszeichnet, ohne dadurch vorangegangene Werke außer Kraft zu setzen oder den Beweis der Richtigkeit einer Aussage antreten zu müssen. Der Gegensatz der Kunst zum Handwerk und zur Wissenschaft bildete sich erst im Übergang vom 18. ins 19. Jahrhundert aus. Im heutigen Verständnis ist die Kunst in die Teilbereiche Literatur, Musik, darstellende Kunst sowie bildende Kunst gegliedert (Grenzüberschreitungen sind in der Moderne häufig); 3) im engsten Sinn steht Kunst, v. a. im alltäglichen Sprachgebrauch, für bildende Kunst.
 
Der deutsche Begriff Kunst, der sich seit dem 16. Jahrhundert von seiner Bedeutung »Fertigkeit«, »Handwerk« löste und im 18./19. Jahrhundert den heutigen Sinn annahm, beeinflusste auch den Kunstbegriff der romanischen Sprachen (französisch »l'art«, italienisch »l'arte«). Die Bezeichnungen Kunst für die Gesamtheit der Einzelkünste trat erst Ende des 18. Jahrhunderts auf.
 
Die Vorstellung von einem allgemeinen gültigen Kunstbegriff, für alle Zeiten und Werke anwendbar, ist heute überholt. Die Einschätzung von Kunst hängt von den Maßstäben einer Epoche und von der individuellen Sicht ab. Kunstrezeption, Kunsttheorien und Kunstbegriff können nicht getrennt von der Stellung des Künstlers gesehen werden.
 
Menschliche Kunsttätigkeit reicht weit in vorgeschichtlicher Zeit zurück (Felsbilder); sie ist in ihren Anfängen offenbar kultisch und steht vielfach in einem religiösen Kontext.
 
 Der traditionelle Kunstbegriff
 
Platon achtete die bildenden Künste gering wegen ihres Unvermögens, über die Darstellung von Meinungen hinaus zu wahren Aussagen des Ideellen zu kommen (»Der Staat«, 10. Buch). Zugleich fasste er sie als eine Vorbereitung auf die höchsten geistigen Anstrengungen des Menschen auf. Darin folgten ihm alle antiken Autoren. Für das mittelalterliche Denken war die Kunst eine Möglichkeit, die Schöpfung (Werke Gottes) in Nichtunterscheidung von Handwerk und Kunst durch Übertragen in haltbare Materialien zu verewigen. I. Kant gab dann dem Kunstbegriff die individuelle Prägung. Alle wirkliche Kunst ist »Kunst des Genies«. F. W. J. Schelling (»System des transzendentalen Idealismus«, 1800) sah in der Kunst eine vom Menschen hervorgebrachte Vollkommenheit, die auch die Norm zur Beurteilung des Naturschönen abgibt und der höchste Ausdruck menschlicher Erkenntnis überhaupt ist. A. Schopenhauer betrachtete Kunst als »Quietiv« - also als ein Beruhigungsmittel - des Lebens, F. Nietzsche dagegen als Stimulans. Schon Platon forderte vom Künstler die Verdichtung der Ideen im Werk (»poiesis«), das auch aus erzieherischen Gründen die Erkenntnis des wirklich Wahren fördern muss - das Wissen (»episteme«) hingegen sei durch die Geschicklichkeit (»techne«) zu fördern -, sah aber nur in Musik und Dichtung entsprechende Möglichkeiten. Platon wurde so Wegbereiter für alle Kunstauffassungen, die den Darstellungsauftrag im transzendentalen Bereich der Ideen begründen und sich ethisch-moralische Funktionen der Kunst erhoffen (z. B. Hochrenaissance, Klassizismus). Aristoteles (»Poetik«, 6. Abschnitt) hob dagegen hervor, dass die Kunst durch die Darstellung möglichen menschlichen Handelns das Allgemeine der Ideenwelt im Besonderen der realen Situation sichtbar machen kann. Durch die Nachahmung und Vollendung des Naturgegebenen (Mimesis) wird der Betrachter zum Erleben seiner eigenen Unvollkommenheit gebracht (Katharsis). Damit wurde Aristoteles der Wegbereiter aller realistischen und der Selbstläuterung verpflichteten Künste (z. B. Frührenaissance, Realismus). Die mittelalterliche Kunstauffassung entsprang einer Verschmelzung platonischen und aristotelischen Gedankenguts. Das Wohlgefallen an einem Gegenstand, sei er nun der Natur oder dem menschlichen Wirken entsprungen, beruht auf seinem Schönsein. Da das Gute, Wahre und Schöne synonym für Vollkommenheit stehen, das denkbar Vollkommenste aber Gott ist, sind also Gegenstände, die schön und für das wahre, vom christlichen Kultus bestimmte Leben brauchbar sind, d. h. sich dem Anschauenden erschließen, von Gott, alles Hässliche aber des Teufels. In Grundzügen ist diese Auffassung noch für die Sakralkunst der Gegenwart gültig. Die Renaissancekünstler, immer auch Theoretiker, entwickelten den neuzeitlichen Kunstbegriff. Er hat seine Grundlage in der Nachahmung der Natur (»disegno naturale«, das Können des Künstlers, z. B. Anatomie), der Gebundenheit an ein geistiges Prinzip (»disegno artificiale«, das Wissen des Künstlers, z. B. Kenntnis der Perspektive), den Erkenntniskräften des Menschen (»inventio«, Einfall, Erfindung), seiner Einbildungskraft (»concinnità«, Verbindung der Teile zu einem organischen Ganzen) und seinen persönlichen Fähigkeiten (»maniera«, der gekonnte selbstvertändliche Vortrag, im Besonderen die »Handschrift« des Künstlers). Der Manierismus stellte das geistige Prinzip außerhalb des künstlerisch Schaffenden erstmals infrage. Im eigenen Ich wurde der Kern aller künstlerischen Ausdrucksfähigkeiten (»disegno fantastico«, psychische Befindlichkeit des Menschen, z. B. Fantasie) gesehen und damit sowohl dem Geniekult des 19. Jahrhunderts (Genie) als auch der Psychologisierung der Kunst im 20. Jahrhundert der Weg geebnet. Durch I. Kant erhielt die Kunst eine neue, die ästhetische Dimension, bereits vorbereitet durch die Gefühlslehren des 18. Jahrhunderts Die Betrachtung des Gegenstandes ohne alles Interesse außer gegenüber dem Gegenstand selbst (Vernunftaspekt) und des in ihm vorhandenen Schönen als solchem (Erkenntnisaspekt) lässt in der Übereinstimmung beider die ästhetische Erfahrung entstehen, die im Subjekt Lustgefühle oder Unlustgefühle weckt (ästhetischer Urteil). Höchster Zweck des Kunstwerks sei sein Schönsein; allerdings gäbe es »keine objektive Geschmacksregel, welche durch Begriffe bestimmt, was schön ist«. Damit war der Weg für ein subjektives Verhältnis zur Kunst bis in die Gegenwart geöffnet, dem G. W. F. Hegel sich ein letztes Mal umfassend mit einem objektiven Standpunkt, wonach Kunst das sinnliche Scheinen der Idee ist, entgegenstellte. Novalis nannte Kunst ein »Gemütszustandsspiel«, eine Objektivierung des Geistigen. Autonomie und Freiheit von Kunst stehen in diesem Zusammenhang. - Für eine Annäherung an Kunst verwenden verschiedenen Wissenschaften (Kunst-, Musik-, Literaturwissenschaft, Ästhetik, Psychologie) Untersuchungskriterien wie Form, Gestalt und Struktur.
 
 Problematik des heutigen Kunstbegriffs
 
Dem von Kant erkannten Vereinbarungsbegriff Kunst, der sich auf keine Norm stützen kann, gab Hegel einen neuen Akzent, als er erklärte, die Kunstproduktion fülle »unser höchstes Bedürfnis nicht mehr aus«, sie benötige zu ihrer Rechtfertigung die Reflexion. Diese Reflexion über die Möglichkeit von Kunst überhaupt ist seitdem ein produktiver Impuls der Kunstproduktion, der selbst deren Negation einschließt. Der thematisierte Zweifel an Kunst öffnet und verunsichert den jeweiligen Kunstbegriff, er setzt ihn der Gefahr der Selbstauflösung aus. Die Öffnung betrifft sowohl die wechselseitige Durchdringung der von der normativen Ästhetik dekretierten Gattungsbezirke (Malerei, Plastik, Baukunst) unter Hineinnahme anderer Bereiche als auch die Abkehr vom geschlossenen Werkbegriff.
 
Spätestens seit M. Duchamp und den Dadaisten umfasst der Vereinbarungsbegriff Kunst nicht bloß den zum Abschluss gelangten, einmaligen Akt der Formsetzung, das Kunstwerk, sondern erstreckt sich auf Bereiche, die der materiellen Scheinhaftigkeit, der strukturellen Endgültigkeit, der formalen Intention und der Anschaubarkeit entbehren können. Kunst öffnet sich damit jeder denkbaren Form in der Hoffnung oder Utopie einer Veränderung der Erlebensweisen.
 
 
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie v. a. auch in den folgenden Artikeln:
 
Ästhetik · Geschmack · Kitsch · Kunstgeschichte · Kunstpsychologie · Kunstsoziologie · Kunstwissenschaft · moderne Architektur · moderne Kunst · Schöne, das
 
 
Ästhetik, in: Histor. Wb. der Philosophie, hg. v. J. Ritter, Bd. 1 (Basel 1971);
 K., in: Histor. Wb. der Philosophie, hg. v. J. Ritter:u. a., Bd. 4 (ebd. 1976);
 W. Tatarkiewicz: Gesch. der Ästhetik, 3 Bde. (a. d. Poln., ebd. 1979-87);
 W. Hofmann: Grundlagen der modernen K. (31987);
 
Der erweiterte Kunstbegriff u. Joseph Beuys' Idee der Stiftung, Beitrr. v. J. Stüttgen (1990);
 G. Kapner: Die K. in Gesch. u. Gesellschaft. Aufsätze zur Sozialgesch. u. Soziologie der K. (Wien 1991);
 A. Hochholzer: Evasionen - Wege der K. K. u. Leben bei W. Solowjew u. J. Beuys. Eine Studie zum erweiterten Kunstbegriff in der Moderne (1992);
 
Theorien der K., hg. v. D. Henrich u. a. (21993);
 T. Eagleton: Ästhetik. Die Gesch. ihrer Ideologie (a. d. Engl., 1994);
 W. Biemel: Ges. Schriften, 2 Bde. (1996);
 
Lex. der K., begr. v. G. Strauß, hg. v. H. Olbrich u. a., 7 Bde. (Neuausg. 1996).
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
 
Aufklärung: Die Autonomie der Kunst
 
II
Kụnst,
 
Hermann, evangelischer Theologe, * Ottersberg (bei Verden/Aller) 21. 1. 1907, ✝ Bonn 6. 11. 1999; war ab 1932 Pfarrer, ab 1940 Superintendent in Herford; Mitglied der Bekennenden Kirche; leitete 1945-49 das westfälische Landeskirchenamt; war 1950 der erste Bevollmächtigte des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland (1950-77) und ab 1956 auch der erste evangelische Militärbischof in der Bundesrepublik (bis 1972). Kunst wirkte entscheidend an der Ausgestaltung des Staat-Kirche-Verhältnisses in der jungen Bundesrepublik mit, u. a. am Vertrag über die evangelische Militärseelsorge (1957), sowie durch zahlreiche Veröffentlichungen zu Fragen des Verhältnisses von Staat und Kirche, förderte die evangelische Sozialarbeit und Entwicklungshilfe und setzte sich (besonders als Mitbegründer der Siedlung Espelkamp) für die gesellschaftliche Integration der Vertriebenen ein.
 
Werke: Die politische Aufgabe der Kirche (1955); Martin Luther und der Krieg (1968); Credo Ecclesiam. Vorträge und Aufsätze 1953 bis 1986 (1987).
 
Herausgeber: Evangelisches Staatslexikon (1966, mit S. Grundmann); Martin Luther. Ein Hausbuch (1982).

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Kụnst, die; -, Künste [mhd., ahd. kunst, urspr. = Wissen(schaft), auch: Fertigkeit, zu ↑können]: 1. a) schöpferisches Gestalten aus den verschiedensten Materialien od. mit den Mitteln der Sprache, der Töne in Auseinandersetzung mit Natur u. Welt: die bildende K.; die darstellende K.; angewandte K.; abstrakte K.; Natur und K.; K. und Wissenschaft; Die K. ist über jeden Inhalt groß, sagt Rilke (Spiegel 28, 1991, 176); Alle K. ... wurzle in dem Bedürfnis, sich auszudrücken (Feuchtwanger, Erfolg 577); sich der K. widmen; Akademie der [schönen] Künste; ein Förderer der Künste; die K. liebenden Teilnehmerinnen des Töpferkurses; sie ist in allen Künsten bewandert, beschäftigt sich viel mit K.; von [der] K. allein kann man nicht leben; *die schwarze K. (1. die Zauberkunst, Magie; wohl Verdeutschung des spätlat. necromantia [↑Nekromantie], das fälschlich mit lat. niger = schwarz in Verbindung gebracht wurde. 2. die Kunst des Buchdrucks; wohl nach der Druckerschwärze); die sieben freien Künste (Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie, Musik als Grundwissenschaften der Antike u. des Mittelalters; LÜ von lat. septem artes liberales, nach einer philos. Allegorie des spätlat. Schriftstellers Martianus Capella [5. Jh. n. Chr.], urspr. die Künste, die von „freien“ Bürgern gepflegt wurden); was macht die K.? (ugs.; wie geht es [dir bei deiner Tätigkeit, Arbeit]? ); b) <o. Pl.> einzelnes Werk, die Werke eines Künstlers, einer Epoche o. Ä.; künstlerisches Schaffen: die antike, moderne, mittelalterliche, europäische K.; K. am Bau, K. im öffentlichen Raum; die K. der Ägypter, der Romantik; die Kunst Rembrandts, Bachs; dieses Bild ist keine K., sondern Kitsch; in diesem Haus steht, hängt viel K.; diese K. lehne ich ab; K. sammeln; der K. liebende Mäzen; nichts von K. verstehen. 2. das Können, besonderes Geschick, [erworbene] Fertigkeit auf einem bestimmten Gebiet: die ärztliche K.; die K. des Lesens und Schreibens; hier kann keine K. mehr helfen; Politik ist die K. des Möglichen (nach verschiedenen ähnlichen Äußerungen Bismarcks); Bachs K. der Fuge (Klavierwerk mit exemplarischen Fugen- u. Kanonkompositionen, die auf dasselbe Thema zurückgehen); die K. des Reitens; die K. des Schweigens (die Fähigkeit zu schweigen) beherrschen nur wenige; er will seine K. an dieser Aufgabe erproben; hier kannst du deine Künste zeigen, beweisen; man muss all seine Künste aufwenden, wenn man etwas erreichen will; ihrer diplomatischen K. ist schon vieles gelungen; Um so größere Bedeutung sei dem Sterbenkönnen zugekommen. Das Colosseum habe nicht zuletzt als Bühne für die K. des Sterbens gedient (Fest, Im Gegenlicht 358); sie ist in den Künsten der Liebe bewandert (verhüll.; versteht sich auf sexuelle Praktiken); R K. kommt von können (meist iron. gesagt, wenn jmds. [künstlerische] Fähigkeiten nicht ausreichen); *eine brotlose K. (eine Ausbildung, Tätigkeit, die nichts einbringt); keine K. sein (ugs.; leicht, einfach sein, keine besonderen Fähigkeiten erfordern): weil es erst recht keine K. mehr ist, sich mit sachverständigen Politikern aller Couleur über die Probleme einig zu werden (natur 8, 1994, 113); alle seine Künste spielen lassen (ugs.; alle möglichen psychologischen Tricks anwenden); mit seiner K. am Ende sein (nicht mehr weiterwissen, sich od. anderen nicht mehr helfen können). 3. *K. sein (ugs.; künstlich, nicht echt sein): der Wurstdarm ist K.

Universal-Lexikon. 2012.

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